HOSPITALITER KOMTHUREY HERRENSTRUNDEN 

Darstellung der Hospitaliter im 13. Jahrhundert 



 

Die Hospitaliter im Bergischen Land

Die erste Begegnung zwischen dem Hospitaliterorden und dem Bergischen Grafenhaus fand wohl 1158 im Heerlager Friedrich Barbarossas bei Mailand statt. An diesem Heerlager nahm auch Engelbert I. von Berg teil. Auf Grund großer Zuneigung holte Engelbert den Orden nach Burg Neuenberge und stifte ihm dort eine Komthurey.

Urkundlich ist belegt, dass 1160 die St. Pankratius-Kapelle dem Orden geschenkt wurde.

In 1220 erfolgte der Bau der Johanniskirche in der nordwestlichen Ecke der Vorburg. Wie es üblich war, wurde diese Gotteshaus mit einem Gottesdienstraum und einer Krankenpflegestätte gebaut. In der Wehranlage eingebunden wurde der Johannisturm mit dem Johannistor. Zunächst waren keine Ordensritter der Hospitaliter dauerhaft auf der Burg ansässig. Lediglich Ordensgeistliche und Brüder waren in der Komthurey zugegen. Neben dem Lesen der Messe und der Krankenpflege wurde Unterstützung in den Verwaltungsangelegenheiten der Burg geleistet. Wirtschaftlich sind die Hospitaliter auf Burg Neuenberge dank der reichen Landschenkungen und Zins- und Zehnteinnahmen relativ autark.

Johannistor auf Schloss Burg

Bei der Komthurey auf Burg handelt es sich jedoch um eine Kleinst- Komthurey mit einem geschenkten, dauerhaften Gast-Dasein.

Die Komthurey in Herrenstrunden hingegen hat eine wesentlich höhere Bedeutung.

Engelbert II., Graf von Berg und Erzbischof von Köln folgte seinem Bruder. Er schenkte dem Hospitaliterorden weitere Güter. U. a. das Gut in Büchel, eine Gebäudeanlage der Herren an der Strunde.

 

1270 wird hier die Komthurey in Herrenstrunden von den Hospitalitern gegründet. Hier gibt es neben den Ordensgeistlichen und betenden Brüdern die ersten Ordensritter und Sergeanten. Neben dem Gebet und der Verwaltung der Güter und Zins- und Zehnteinnahmen, erfolgt hier Ausbildung und Training der kämpfenden Brüder.

Neben nicht unerheblichen Landschenkungen - nicht nur aus der Grafschaft -, werden in Herrenstrunden hohe Zins- und Zehnteinnahmen verwaltet. Von hier werden stattliche Summen für Kreuzzüge und sonstige Unternehmungen des Ordens zusammengetragen bzw. zur Verfügung gestellt.

Die Komthurey Herrenstrunden wird daher in 1328 Ordens-Ballei und damit als Zentralstelle für die Verwaltung der gesamten Ordensprovinz vom Orden genutzt.

Im gleichen Jahr überträgt Petrus von Ungala, Prior von Toulouse und Generalvisitator für Deutschland und Frankreich, Heinrich von Selbach die Komthurey und Ballei Herrenstrunden.

 

Im Jahr 1224 wurde das Patronatsrecht der Pfarrkirche St. Antonius Abbas in Herkenrath durch den Ritter Theodoricus de Dorendorp den Hospitalitern übertragen.

Die Kirche unterstand ab 1275 der Komthurey Herrenstrunden. Ab 1300 wurden aus dieser Gemeinde Abgaben an den Erzbischof zu Köln entrichtet. Es bleibt anzumerken, dass die Brüder in der Gemeinde  lediglich den geistlichen Dienst verrichteten.

Im 13. Jahrhundert wurde von der Komthurey Herrenstrunden eine Zweigstelle in Marienhagen gegründet. Das waldbedeckte Land wurde den Brüdern übertragen, da ihnen der Ruf, eine gute wirtschaftliche und verwaltende Hand zu besitzen, vorauseilte. Als Nebenerwerb für die armen Bauern in dieser Region vermittelten die Brüder die Fertigkeiten zum Weben von Wolldecken.

Ebenso wurde die Fischzucht im benachbarten Alpetal von den Brüdern vorangetrieben.

Die Ortschaft blühte unter den Händen des Ordens auf, sodass 1330 die Marktrechte verliehen wurden. Die Brüder der Komthurey wurden hier im geistlichen Dienst in der Kirche Marienhagen tätig. Allerdings wurde die Zweigstelle in Marienhagen 1569 von der Komthurey aufgegeben. Die Gründe sind nicht bekannt. Mit der Aufgabe der Komthurey erlosch langsam die Blütezeit der Gegend.

Die Strunde

Ein wichtiger Bach für die Komthurey Herrenstrunden – nicht nur als „Namensgeber“ Herren an der Strunde - , sondern auch als bedeutender Wasserlauf.

Obwohl er unscheinbar und klein wirkte, war er nicht nur für die Brüder der Komthurey, sondern auch für zahlreiche Bauern und Handwerker im Bergischen Land eine wichtige Lebensader.

Viele Zuflüsse speisten den Oberlauf und förderten ausreichende Mengen von Wasser um die Wasserräder zahlreicher Mühlen zu versorgen.

Neben der Hospitalitermühle und der Mühle in der Siedlung Scheef gab es zahlreiche Sägemühlen, Fruchtmühlen und Hammerwerke.

Wirtschaftlich hatte das Tal der Strunde im 13. Jahrhundert und auch noch später eine große Bedeutung im Bergischen Land.

Mühlen an der Strunde

Die alte Mühle der Hospitaliter Komthurey Herrenstrunden an der Strunde wurde nicht selbst betrieben, sondern war stets verpachtet. Allerdings mit der Auflage, umsonst für den Orden zu backen und zu mahlen.

Das noch heute bestehende Mühlengebäude trägt als Maueranker das Wappen des damaligen Komturs mit der Inschrift:

 CARL FRANS FREYHERR VON WACHTENDONCK HERR ZU GERMENZELL

 S.I.O. RITTER UND COMMANDEUR ZU HERRENSTRUNDEN

– S.I.O. STEHT FÜR: SANCTI IOANNIS ORDO, ORDEN DES HL. JOHANNES

In der Nähe lag die Ölmühle Gut Schiff an der Strunde. Wann genau die Mühle in Betrieb genommen wurde, ist leider nicht bekannt. Im 13. Jahrhundert wurde sie Siedlung Scheef (abgeleitet von Schilf, welches hier auf Grund der feuchten Lage wild wucherte) genannt. Da sie nur wenige Reitminuten von der Komthurey entfernt lag, ist nicht auszuschließen, dass zumindest geschäftliche Beziehungen zum Orden bestanden haben. Über ein Pachtverhältnis zur Komthurey ist nichts bekannt.

Rittersitz Astelburne

Der Rittersitz bestand schon vor der Gründung der Komthurey Herrenstrunden. Letzter Herr des Rittersitzes war Ritter Giselbert von Astelburne. Der Sitz liegt am Asselbach, welcher unterhalb der Gebäude gestaut und um die gesamte Bebauung als Burgweiher geleitet wurde. So kann von einer festungsartigen Wasserburg gesprochen werden. Dieser Schutz war umso wichtiger, als die damaligen Ritter mit räuberischen Überfällen stets rechnen mussten.

Aus Steuerlisten ist erkennbar, dass der Rittersitz zu den zweitbesten Steuerzahlern der Grafschaft Berg zählte.

Ende des 13. Jahrhunderts teilten sich der Rittersitz Astelburne und die Komthurey Herrenstrunden den größten Teil der Ländereien in Gladebag.

Im Gegensatz zur Komthurey, musste der Rittersitz allerdings seine Abgaben an die Grafen von Berg entrichten.

So ist auch nicht verwunderlich, dass auch der Name des Ritters im Zusammenhang mit dem Orden genannt wird.

Beurkundet im Jahr 1294, werden die Güter Hochscherf und Klief an den Hospitaliterorden verpfändet. Der genaue Hintergrund der Verpfändung ist nicht bekannt. Lediglich die Zeugen in der Urkunde sind eindeutig genannt. Hierbei handelt es sich um den Ritter, Giselbert von Astelburne, Gerlach von Strune (Burg Zweifel) und einem Heinrich von Oderscheyd.

Die Güter gehören zu der Streusiedlung Odenthal. Odenthal ist die Wiege des Bergischen Landes. In Altenberg, auch zum Odenthal gehörend, steht die Burg Berge. Hierbei handelt es sich bis 1133 um die Residenz der Grafen von Berg.

1133 übergab Graf Adolf II. die Burg dem Zisterzienserorden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Berger mit Schloss Burg bereits einen neuen Stammsitz errichtet, dieser trägt den Namen „Neuen Berge“.

 

Recherche beim Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland

An dieser Stelle möchte ich aber auch Daniel Schilling erwähnen. Ohne seine Erlaubnis, seine Erkenntnisse (Veröffentlich in seiner Hausarbeit in 2013) nutzen zu dürfen, wäre ein nicht unbeträchtlicher Teil der genannten Ausführungen, in dieser Genauigkeit nicht möglich gewesen.